Infos
Ehemalige Synagoge
Zeugnis des jüdischen Lebens in Leiwen
Im Jahr 1852 erwarb die jüdische Gemeinde das Eckhaus Euchariusstraße/Laurentiusstraße (früher Ecke Bahnhofstraße/Hannagass), um darin eine Lehrerwohnung für den Vorbeter/Lehrer einzurichten (altes Gebetshaus, siehe Foto). Das bereits 1593 errichtete Gebäude diente bis zum Bau der neuen Synagoge als Versammlungsstätte.
Die jüdischen Kinder besuchten die christliche Dorfschule in Leiwen. Religionsunterricht und der Unterricht in Hebräisch wurden von Privatlehrern erteilt, die von der jüdischen Gemeinde gestellt und bezahlt wurden. Weit außerhalb des Dorfes lag der jüdische Friedhof, dessen älteste Grabsteine aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammen. Begraben wurden hier auch verstorbene Juden aus den Nachbarorten Trittenheim und Klüsserath.
1910 kaufte die jüdische Gemeinde zum Bau einer neuen Synagoge ein Grundstück am damaligen Ende der Römerstraße. 1912 wurde der Trierer Architekt Jacob Reiter mit dem Bau beauftragt. Die Bauausführung übernehmen die Trittenheimer Maurermeister Matthias Hoffmann und Josef Roller. Zur Finanzierung trugen jüdische wie christliche Leiwener durch Spenden bei.
Die feierliche Einweihung der Synagoge war mit Gottesdiensten und einem großen Fest für den ganzen Ort am 11. und 12. Juli 1913. Sie stand damals direkt neben der ehemaligen Villa Schmitt, auf dem heutigen Gelände der Weinkellerei Reh-Kendermann. Diese hatte das Gebäude nach dem Krieg erworben und lies es – wie auch die Villa Schmitt – einige Jahre später zur Erweiterung der Firmenanlage abbrechen.
Bei der Synagoge handelte es sich um einen rechteckigen Bruchsteinbau aus massivem Schiefermauerwerk mit verschiefertem Satteldach und zwei Anbauten. Sie zeigte an den Fassaden mit Sichtmauerwerk umrahmte Putzflächen. Die Gewände der Öffnungen, Rundbogenfenster, gekoppelte Fenster, Eingang, sowie das Trauf- und Ortganggesims, waren aus Sandstein gefertigt.
Die Eingangsfassade prägten Ecklisenen und ein abgetreppter Fries mit einem Davidstern an der Spitze sowie einem Rundfenster. Auch an den Längsseiten gab es markante Rundfenster (Kreisfenster) im oberen Teil sowie Zwillings-Rundbogenfenster im unteren Bereich. An der nördlichen Längsseite war ein Treppenhaus angebaut mit dem Zugang zur Frauenempore
An der Ostseite befand sich eine über die ganze Höhe erstreckende halbrunde Apsis. Es ist anzunehmen, dass die an die Nord- und Südansicht angegliederten Baukörper Treppen beinhalteten, die eine Verbindung des Vorraums mit der Frauenempore ermöglichten. Aufgrund der Lage der Fenster in der Nord-Südansicht ist anzunehmen, dass die Empore U-förmig angelegt war.
Synagogengemeinde Leiwen
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
Erstmals wird eine jüdische Gemeinde in Leiwen in einer Verordnung des Trierer Kurfürsten Johann von Schöneberg aus dem Jahr 1592 benannt.
Juden sind in Leiwen schon vor der offiziellen Wiederzulassung im Erzstift Trier (1618) durch ein Dokument Erzbischof Johanns von Schöneberg vom 5. Ok-tober 1592 belegt. In ihm beklagt er sich, “dass sich trotz seiner vor Jahren verordneten Ausweisung der Juden aus dem Kurfürstentum, immer noch Juden in Fell, Longuich und Leiwen ohne Geleit (das bedeutet ohne Aufenthaltserlaubnis) aufhalten”.
Möglicherweise ließen sie sich entgegen dem kurtrierischen Ausweisungsgebot gerade in Leiwen nieder, da der Ort etwa in gleicher Entfernung von den Amtsor-ten Pfalzel, Wittlich und Bernkastel lag und damit vor dem Zugriff der Amtsleute relativ sicher schien.
In der französischen Besatzungszeit mussten auch die Leiwener Juden am 11. Oktober und 16. Dezember 1808 ihre Namen gemäß dem Napoleonischen Dek-ret ändern. Seither sind die jüdischen Familien Schloß, Mendel und Jacobs in Lei-wen nachzuweisen, später kamen noch die Familien Isaak, Levy, Maas und Sa-muel hinzu.
Zu dieser Zeit werden 24 jüdische Einwohner gezählt, darunter fünf erwachsene Männer. 1843 werden 57 jüdische Gemeindeglieder gezählt, 1895 nur noch 42. Nach der Jahrhundertwende nahm die Zahl wieder zu, bis um 1930 ein Höchst-stand von 61 jüdischen Gemeindemitgliedern erreicht wurde.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge, eine Religionsschule, ein rituelles Bad und einen Friedhof. Die Gemeinde in Leiwen gehörte zum Rabbinatsbezirk in Trier. Von dem Höhepunkt jüdischen Lebens in Leiwen im 19. und anfangs des 20. Jahrhunderts kündet noch der jüdische Friedhof, der zeitweise auch von Juden aus den Nachbarorten Klüsserath und Trittenheim mitbenutzt wurde.
Die meisten Leiwener Juden waren Viehhändler und eine Familie hat auch Brennereiprodukte und Kellereiartikel verkauft. Die Frauen führten Lebensmittel-, Kolonialwaren, Schuh- und Textilgeschäfte, während die Männer ihren Handelsgeschäften nachgingen. Auch einen jüdischen Bäcker und einen Metzger hat es An-fang des 20. Jahrhunderts es in Leiwen gegeben.
Um 1925, als 55 Personen der jüdischen Gemeinde in Leiwen angehörten, waren die Vorsteher der Gemeinde Adolf Isaac, Hermann Levy und Otto Isaac. Auch die in Lösnich lebenden jüdischen Einwohner (1925: 29 Personen) gehörten inzwischen zur Gemeinde in Leiwen, nachdem die dortige Gemeinde aufgelöst worden war.
1926/27 wurde die Leiwener Judenschaft nach langem Vorlauf als Synagogengemeinde im Sinne des preußischen Gesetzes vom 23.07.1847 anerkannt. Das wegen des Handels und aus religiösen Gründen allerdings nie ganz konfliktfreie Miteinander zwischen jüdischen und christlichen Bürgern änderte sich jedoch kurz darauf nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten.
1932 war 1. Vorsitzender der Synagogengemeinde Leiwen Otto Isaac, 2. Vorsitzender Moses Schloss. Als Schriftführer war Leopold Levy tätig. Inzwischen gehörten auch die in Klüsserath lebenden jüdischen Einwohner (1932: 9 Personen) zur Gemeinde. Hier sowie in Lösnich hatten zuvor selbständige Gemeinden bestanden, die auf Grund zurückgegangener Gemeindemitgliederzahlen aufgelöst worden waren.
1933 lebten noch 45 jüdische Personen am Ort. Auf Grund der zunehmenden Repressalien, der Entrechtung und des wirtschaftlichen Boykotts verzogen bis 1938 die meisten von ihnen in andere Orte oder wanderten aus.
Jüdisches Leben im Nationalsozialismus
nfang der 1930er Jahre waren fast alle jüdischen Familien in Leiwen verarmt, nur zwei Familien hatten es zu bescheidenem Wohlstand gebracht. Das Zusammenleben zwischen Christen und Juden in der Dorfgemeinschaft soll damals all-gemein problemlos gewesen sein, was in den Zeiten zuvor nicht immer der Fall gewesen war. Obwohl in Leiwen der NSDAP-Wähleranteil relativ hoch war, blieb das Verhältnis zu den jüdischen Einwohnern insgesamt dennoch gut, auch wenn einzelne Ortsbewohner den NS-Parolen folgten.
Am 1. April 1933 standen auch in Leiwen SA-Posten vor jüdischen Geschäften und hinderten Käufer am Betreten. Doch bereits kurz danach kaufte man weiter bei Juden – einige jedoch heimlich, weil sie sich durch Drohungen der örtlichen NSDAP-Ortsleitung hatten einschüchtern lassen.
Ab 1935 häuften sich dann die antijüdischen Angriffe; so wurden jüdische Bewohner in Angst versetzt, Scheiben der Häuser eingeworfen und Schilder wie „Ju-den passieren diesen Ort auf eigene Gefahr!” aufgestellt. Anfang 1937 kam es dann zu einem ersten Anschlag auf die Synagoge, bei dem zwei Zierbäume ab-gebrochen sowie das Fenster an der Westseite eingeworfen wurden.
Beim Novemberpogrom 1938 („Reichskristallnacht“ vom 9. auf den 10. November) zogen SA-Leute und Leiwener Parteigenossen durch den Ort, drangen in von Juden bewohnte Häuser ein und zerstörten auch die Fenster, Bänke und Ritualien der Synagoge. Die Juden des Ortes wurden im Laufschritt an das Moselufer getrieben, wo sie gezwungen wurden, Torarollen, Gewänder, Bücher, Leuchter und Kerzen zu verbrennen.
Nach der Pogromnacht verließen auch die letzten der damals noch elf jüdischen Einwohner ihren Heimatort, gingen nach Trier und versuchten von hier aus zu emigrieren. Bereits zu Beginn des Jahres 1939 war Leiwen „judenfrei”.
Etwa die Hälfte der Juden konnte sich ins Ausland retten, vor allem nach Nord- und Südamerika; die anderen wurden in Konzentrationslagern ermordet oder starben auf der Flucht. Nach Angaben der Gedenkstätte Yad Vashem und des “Gedenkbuches – Opfer der Verfolgung der Juden” wurden mindestens 30 gebürtige bzw. länger am Ort lebende jüdische Bewohner Opfer der NS-Verfolgung.
Die Synagoge fiel in den Besitz der Gemeinde und wurde bis Juli 1940 als Kindergarten verwendet und danach als Lager für französische Kriegsgefangene zweckentfremdet. Nach 1945 wurde das Gebäude an die Firma Carl Reh (heute: Reh-Kendermann) verkauft, die es zunächst als Lagerhalle verwendete und einige Jahre später zur Erweiterung der Firmenanlage abbrechen ließ.
Weiterführende Informationen
Einträge KulturDB
Quellen & Links
- Alemannia Judaica: Leiwen
- Trierischer Volksfreund: Synagoge zeigt jüdisches Leben in Leiwen
- Generaldirektion Kulturelles Erbe: Kultur Erleben
Kontakt
Römerstraße 21
54340 Leiwen
. Leider wurden keine Einträge gefunden. Bitte ändere deine Suchkriterien und versuche es erneut.
Leider konnte die API für den Kartendienst nicht geladen werden.




